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Gute Unternehmensführung
Denkzettel Nr. 78
03.01.2023

Thomas Hirsch: Gründer – Möglichmacher – Visionär

von Manfred Hoefle

 

 

Dies ist die Geschichte eines Jungunternehmers, eines - wie man früher - sagte Selfmademan. Thomas Hirsch ist Vertreter des Mittelstandes, des vielgerühmten, dennoch unterschätzten und von der Politik wenig geförderten Motors der deutschen Wirtschaft.

Einfache, geordnete Verhältnisse

Thomas Hirsch wurde vor 33 Jahren in eine Arbeiterfamilie in Rebdorf-Eichstätt hineingeboren und wuchs als ältestes von fünf Geschwistern auf. Finanziell war man immer klamm. Doch die Kinder fühlten sich aufgehoben, von Oma und Opa liebevoll begleitet. Vom Opa lernte er den Umgang mit Holz und die Handhabung von Werkzeugen. Thomas Hirsch absolvierte die Grund- und Realschule. Als 14-jähriger trug er Zeitungen aus und verdiente sich als Gartenhilfe eine Kleinigkeit. Eigentlich wollte er Schreiner werden, aber eine Holzstaub-Allergie verhinderte diesen frühen Berufswunsch. Bereits damals bewährte sich für ihn die Lebensregel „stark und guten Mutes“ zu sein. Mit 30 Jahren wollte er es zu etwas gebracht haben.

Es folgte die dreijährige Ausbildung zum Feinwerkmechaniker für Maschinenbau. Weil Thomas Hirsch einen ausgezeichneten Abschluss versprach, erreichte er eine Verkürzung der Lehrzeit um ein halbes Jahr – und erhielt den Staatspreis in seinem Fach. Es schlossen sich Lehrjahre als Maschinenbautechniker an. Berufsbegleitend besuchte er die Technikerschule Eckert in Regenstauf mit Schwerpunkt Konstruktion.

Früher Aufbruch zum Unternehmer

Als Thomas Hirsch Ausstellungsvertreter einer französischen Firma für die Automechanika in Frankfurt wurde, war die Gewerbeanmeldung fällig. 21-jährig trat er als Einzelunternehmer mit dem Anspruch „Komplettlösungen und Konstruktion“ an. Geschäftszweck war die Herstellung von Einzelteilen, Kleinserien, Baugruppen mit Schwerpunkt auf der Blech-Umformtechnik. Zu dieser Zeit arbeitete er den ersten Auftrag für eine Fräsform ab, stellte die erste Rechnung aus.

In der Folge wickelte er gewöhnlich drei, vier Werkzeugaufträge als Wochenendarbeit ab. Immer mehr Geschäft kam auf ihn zu. Nach sechs Jahren wechselte er 2011 zur EDAG Engineering GmbH (vormals BFFT GmbH) in Gaimersheim und wurde Projektleiter. Zusätzlich erweiterte er seine Kenntnisse in Technischem Einkauf, zur Angebotserstellung und Buchhaltung, erwarb seinen ersten Laptop und eine Catia-Lizenz.

Schwieriger Weg zum profilierten Unternehmen

Am 4.1.2016 wurde die Hirsch Engineering Solutions GmbH & Co. KG ins Handelsregister eingetragen. Der Firmenname betonte bereits die Bereitstellung professioneller Lösungen. Zukunftsgewiss wurde in der Altstadt ein Büro für fünf Mitarbeiter/-innen eingerichtet. Mit zweien wurde der Anfang gemacht. Startkapital war eigentlich nur der Name ‚Hirsch‘, eben der Gründer Thomas Hirsch. Bald kam es zum Einstieg in die Fertigung mit zwei CNC-Bearbeitungszentren von führenden Technologieanbietern, der den Umzug in das Industriegebiet Eichstätt notwendig machte. Die Auftragslage war recht gut, es wurde mit Gewinn gearbeitet, das Unternehmen wurde mit einem Gründerpreis ausgezeichnet.

Völlig unerwartet trat zum Jahreswechsel 2017/18 eine hochkritische Situation ein: Die bis dahin kreditgebende Bank sperrte alle Zahlungen. Inmitten eines hoffnungsvollen Aufbaus stand die Insolvenz im Raum. Thomas Hirsch unternahm alles Erdenkliche: Zahlungsaufschübe an allen Seiten, Privateinlagen, auch die schmerzliche Kündigung von zwei der inzwischen 11 Mitarbeiter, damit das Unternehmen überleben konnte. Heute spricht er von der „schmerzhaften Seite“ als Unternehmer; sie war eine Lehre für das Leben. Leidgeprüft befasste er sich fortan eingehend mit der Finanzseite und dem Risiko.

Mutiger Geschäftsausbau

Schwierig war die Corona-Zeit, die vorübergehend Kurzarbeit erzwang, aber zur Vorbereitung für den Aufschwung genutzt wurde. Proaktiv wurde sogar in eine Messmaschine investiert. Im Jahr 2020 wurde das Unternehmen auf ein „Scale-up“ eingestellt, nämlich aus der Position der verlängerten Werkbank, die wiederum von anderen Werkbänken abhängig war, herauszuwachsen. Fortan ging es darum, mehr auf eigene, technisch führende Kunden zu setzen, eigene Produkte zu entwickeln und herzustellen, in additive Fertigungstechnologien einzusteigen. Nach Automotive und Maschinenbau wurde die Luft- und Raumfahrt als wachstumsstarkes Kundensegment angegangen, das nun eine Zertifizierung nach EN 9100 erfordert.

Der Geschäftsausbau wird begleitet vom Aufbau von Branchennetzwerken nach der Maxime, dass man sich „in das System einkuppeln“ muss, in dem man wirksam werden will. Die Mitwirkung in regionalen Verbänden und wirtschaftspolitischen Initiativen ergänzt die Vernetzung. Darum widmet sich Thomas Hirsch überwiegend der Strategie und Umsetzung.

Leitgedanken der Unternehmensentwicklung sind organisches Wachstum, Abrundung des Leistungsportfolios, Vertiefung und damit Kontrolle der Wertschöpfungstiefe – und was für Thomas Hirsch wichtig ist – heimatliche, regionale Verbundenheit dem Motto entsprechend „in Eichstätt daheim, in Europa zu Hause“.

Der Mensch im Mittelpunkt

A und O der HIRSCH-Gruppe sind die Mitarbeiter in des Wortes wahrem Sinne. Für Thomas Hirsch ermöglichen nur sie ein Unternehmen, das zu den „schnellsten, anpassungsfähigsten und modernsten Unternehmen des Freistaates“ gehören will. Das verlangt einen Führungsstil, bei dem es um das „Abholen“ des Mitarbeiters geht, der seine Talente an und mit den richtigen Aufgaben entfalten kann, der sich in eine hoffnungsvolle und fordernde Zukunft hineindenkt und danach handelt, der sich anerkannt findet und in einem kollegialen Miteinander arbeiten will. Biblisch gesprochen finden Mitarbeitergespräche in einer Atmosphäre des „hörenden Herzens“ statt.

Thomas Hirsch denkt von den jeweils anderen, den Kunden, Mitarbeitern, Partnern, her. Der Wechsel der Perspektive ist sicher ein Gewinn. Mit seiner Persönlichkeit prägt er das Unternehmen. Sprechend dafür sind die Merksätze: Man muss „dem Glück entgegen gehen; gegen die Fließrichtung zu schwimmen, macht stark, führt zur Quelle zurück; es ist nie zu spät, etwas zu lernen“. Mit seinem Werdegang ist er von der „Macht der Ziele“ überzeugt und auch von der hilfreichen Begleitung durch Mentoren. Dazu zählen vor allem ein Professor der Technischen Hochschule Ingolstadt und ein ehemaliger Gründer und Geschäftsführer der BFFT Ges. für Fahrzeugtechnik, der INSTART Consult GmbH. Sein erster Coach war der Großvater, der die kindliche Neugier stets unterstützte. Seine Mutter war ihm ein Vorbild an Pflichtbewusstsein, das zu ihrer Lebenserfüllung wurde. Unternehmersein ist nicht nur mitunter kräftezehrend. Rennrad Fahren und Saxofon Spielen wurden ihm zum geliebten Ausgleich.

Umfassende Verantwortung als Auftrag

Der Zweck der HIRSCH-Gruppe ist kurz gesagt: „Kunden helfen, erfolgreich zu sein, und dem Umfeld etwas zurückgeben“. Unternehmer machen Chancen möglich, brachliegendes fruchtbar, Innovation wirksam, entfalten Talente. Darum ist ihre Rolle für eine dynamische Gesellschaft und für die Bildung von Gemeinschaft eminent wichtig. Das erfahren Unternehmer unmittelbar.

Unternehmertum übernimmt „Verantwortung für morgen.“