ZEIT FÜR EINE NEUAUSRICHTUNG DER BWL / MANAGEMENTLEHRE

Manfred Hoefle

Inhaltsübersicht und Zusammenfassung der Denkschrift

INHALT

Krise von 2008 und Reformunwilligkeit 6)
Vier Grundprobleme der BWL 9)
Fehlentwicklungen 16)
Rück-/Neubesinnung und Neuausrichtung 21)
Programmatischer Vorschlag 24)

 

ZUSAMMENFASSUNG

Die in Europa und den USA andauernde Wirtschafts- und vor allem Finanzkrise hat viele Ursachen und nicht wenige Verursacher. Eine der Ursachen wird selten oder nur en passant genannt: die Heranbildung des betriebswirtschaftlichen Nachwuchses an Business Schools und an den Hochschulen.

In den USA war die Krise ‑ vorübergehend ‑ ein Grund zum Nachdenken über die Rolle der Business Schools; sie gab Anlass zu einigen kleinen und schnellen Reparaturen, wie der Betonung von Business Ethics und Risks.

Im deutschsprachigen Raum sah man sich ‑ von Einzelfällen abgesehen ‑ nicht einmal tangiert, geschweige denn veranlasst, über Ausbildungsziele und die Ausgestaltung der Lehrpläne zu reflektieren. Doch bei einem kritischen Blick auf die BWL bzw. Managementlehre fallen schwerwiegende Probleme auf: Das sind die immer wieder versuchte Verwissenschaftlichung, das Abdriften in die Nominalwirtschaft bzw. Eindimensionalität finanzieller Steuerung, die fortschreitende Instrumentalisierung des Menschen einhergehend mit dem Verlust von Verantwortung, schließlich die allgemeine Formalisierung und verbreitete Verschulung im Zuge von Bologna nach 1999.

Die BWL leidet seit den 1980er Jahren an einer Gestaltungs- und Orientierungsschwäche; sie hat sich mit der Übernahme und Verfeinerung vorwiegend amerikanischer Ansätze, Konzepte und Werkzeuge begnügt; sie ist unkritisch gegenüber manageristischen Auswüchsen geblieben; und sie ist in eine schwer überschaubare Spezialisierung ausgeufert.

Die BWL gehört deshalb dringend und tiefgreifend reformiert.

In dieser Denkschrift werden Ansatzpunkte für eine grundlegende Reform vorgestellt.

Drei hauptsächliche Vorschläge dazu:

Erstens: eine Umstellung des Wesens der Aus- und Weiterbildung auf gutes Verstehen und umsichtiges Urteilen, bei dem der Mensch im Zentrum steht. Der unverrückbare Bezug dazu ist das von modernistischen und kapitalmarktfixierten Strömungen unbeschadete Leitbild verantwortlicher Unternehmensführung.

Zweitens: die Förderung des Verstehens anderer Denkstile und Disziplinen, insbesondere derer von Ingenieuren, Informatikern, Designern sowie von Wertschöpfung und Produktion.

Und drittens: die Zweiteilung in ein zweijähriges Studium Generale, das diesen Namen verdient, und ein dann folgendes berufsbegleitendes Studium mit dem Ziel der Höher-Qualifikation, das in mehreren Turnussen durchlaufen werden kann. Dieses soll im Wesentlichen von den Hochschulen ausgerichtet werden und Allen ‑ unabhängig vom Studienweg ‑ offen stehen.

Manfred Hoefle, 24. Februar 2012

 

Der BWL fehlen Beiträge zur Charakterbildung
Unter dieser Überschrift kommentiert G. Giersberg von der FAZ die Denkschrift „Zeit für eine Neuausrichtung der BWL/Managementlehre".

 

Die Denkschrift ist beziehbar: manfred.hoefle@managerismus.com