Enough? Money and the Good Life

von Robert and Edward Skidelsky

Ausgangspunkt dieses wohlformulierten Buches ist ein wenig bekannter Aufsatz von John M. Keynes, in dem er das paradiesisch anmutende Bild einer Gesellschaft entwirft, die gut verdient und wenig (15 Stunden/Woche) zu arbeiten hat. Das Eine, die beachtliche Einkommenssteigerung, ist in den reichen Ländern im Großen und Ganzen eingetroffen; doch gearbeitet wird in den reichen Ländern mehr als noch vor 10 oder 20 Jahren. Aber die materielle Besserstellung mit einer erschreckenden Verschlechterung der Grundwerte eines lebenswerten, eines zufriedenen Lebens erkauft; das sind Gesundheit, Sicherheit, Respekt, Selbstbestimmung, Einklang mit der Natur und vor allem Muße. Die abendländische Philosophie wie auch die Erfahrung des Einzelnen lehren: Ein gutes Leben ist nicht über den Kampf um das materielle Glück, eine eindimensionale Happiness zu gewinnen; sie beleibt immer ein instabiler, oberflächlicher, extrovertierter Zustand der Bedürfnisbefriedigung.
Der Kapitalismus ist darauf angelegt, ständig Unbefriedigtheit zu erzeugen. Ist ein Bedürfnis gesättigt, winkt schon das nächste. Genuss gebiert Genuss. Das darauf zielende ökonomische System kommt nicht zur Ruhe, es wird infolge der „Monetarisierung" von allem und jedem immer aufreibender. Die innere Ruhe des Einzelnen ist aber nur über eine Besinnung und eine damit einhergehende Änderung der Arbeits-/ Lebensweis erreichbar. Die Vorschläge, nämlich die Reduzierung der Arbeitszeit, eine bessere Verteilung von Arbeit, eine progressive Besteuerung sollen die Richtung ändern helfen. Mehr freie Zeit soll Muße bringen, Selbstbescheidenheit fördern und den Gemeinsinn und somit das Gemeinwohl stärken.

Die Autoren, der Vater ein bedeutender Keynes-Spezialist (sic; der Anfang) und der Sohn, ein Philosophie-Dozent, schließen für ein gelingendes Leben den Rückbezug zur Religion mit ein. Unerwartet ist die ausführliche Beschäftigung mit den Sozial-Enzykliken, von Quadrogesimo anno (Pius XI.) bis Caritas in veritate (Benedikt XVI). Die von Anfang an unmissverständliche Ablehnung von Kommunismus und Kapitalismus wird als klug gewertet und die - übrigens von deutscher Seite maßgeblich beeinflusste - Präferenz für eine soziale Marktwirtschaft wird als die ausgesprochen zukunftsfähige ordnungspolitische Perspektive herausgehoben.

(243 Seiten, Other Press)
27. August 2012

 

Die Ökonomie von Gut und Böse

von Tomás Sedlácêk.

Endlich ist diese Polarität Inhalt eines aufklärenden, bekennenden, herausfordernden und wunderbar geschriebenen Buches. Im ersten Teil ist es eine ungewöhnliche Kultur- und Geistesgeschichte beginnend beim Gilgamesch-Epos über Altes/Neues Testament, Thomas von Aquin, Adam Smith bis zum Kapitalismus á la Wallstreet. Im zweiten Teil werden „blasphemische Gedanken"- so nennt der Autor seine Einsichten - ausgebreitet: die Verengung auf eine positivistische Grundeinstellung und die mathematisch-modellbezogene Reduzierung der Ökonomie, die Verarmung durch eine Ignoranz des Mainstream gegenüber Geschichte, Kultur, Religion und anderen sozialwissenschaftlichen Disziplinen, die angemaßte Beherrschung und Prognose wirtschaftlichen Geschehens. Zum Schluss wird die Angst ausgedrückt, dass der „Marktkapitalismus" (nicht die Soziale Marktwirtschaft) in seiner exzessiven Form Wirtschaft und Gesellschaft in eine Sackgasse geführt hat. Die Verschuldung ist deren augenfälligste Erscheinung. Der Ausweg fängt mit dem Wiedererstarken von Verantwortung und der Durchsetzung von Haftung an. Die Umkehr gelingt nur mit einer Besinnung auf „in uns selbst" und damit weg von den Zwängen ständigen Wachstums und übermäßigen Verbrauchs. Der Chefökonom und Wirtschaftsphilosoph Tomás Sedlácêk hat ein Werk vorgelegt, das in seinem Spannbogen anschließt an „Das Ende des Homo Oeconomicus" von Peter F. Drucker, den „Weg zur Knechtschaft" von Friedrich A. von Hayek und „Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie" von Joseph Schumpeter.

(447 Seiten, Hanser, München, 2012, ISBN 978-3-446-4283-2)
24. Februar 2012

 

BurnOut

Wie wir eine aus den Fugen geratene Wirtschaft wieder ins Lot bringen von Peter H. Grassmann (152 Seiten, oekom verlag München, 2010, SBN-13: 978-3-86581-191-2).
Von einem nachdenklichen Top-Manager wird die Frage gestellt, wie man nach den marktliberalen Auswüchsen und manageristischen Entgleisungen zu einem verantwortlichem, generationenbewussten Wirtschaften kommt. Eine stärkere Beteiligung der Zivilgesellschaft des Einzelnen ist unumgänglich: als Verbraucher und Stifter von Gemeinsinn und von Organisationen(NGOs)/Initiativen, die der Bindung an Werte und gesellschaftlicher Verantwortung verpflichtet sind. Unverzichtbar ist ein Ordnungsrahmen, der Mitte hält zwischen Markt und Gemeinschaft. In der jetzigen Zeit ist Empörung en vogue. Soll aber Wirkung entstehen, muss sich Empörung in Engagement verwandeln.
17. Juni 2011

 

Groß ist Ungeschickt

Leopold Kohr im Zeitalter der Post-Globalisierung von Michael Breisky (Passagen Verlag: ISBN 978-3-85164-924-5).
Dieses 120-seitige Buch schildert das optimistische Menschenbild von Leopold Kohr, dem Begründer der Small-is-beautiful-Bewegung, seine Skepsis gegenüber großen Ideen und sein an natürlichen Grenzen ausgerichtetes Gesellschaftsbild. Seine Lehre wird in kritischer Distanz an der jüngsten Geschichte gespiegelt und auf aktuelle Megatrends bezogen. Herausgearbeitet wird die Relevanz seiner Thesen in der Ära der Post-Globalisierung.
22. Dezember 2010

 

"Superkapitalismus – Wie die Wirtschaft unsere Demokratie untergräbt"

Campus Verlag, Frankfurt, 2008, ISBN: 978-3-593-38567-9
Robert Reich hat in seinem Buch interessante Analysen und quergedachte Ansätze entwickelt:
„Ein Unternehmen hat die Aufgabe, das Spiel der Wirtschaft so aggressiv zu spielen wie möglich. Wir als Bürger müssen Unternehmen daran hindern, die Spielregeln selbst festzulegen. Das ist die Herausforderung. Wir müssen den Superkapitalismus hindern, auf die Demokratie überzugreifen. Alles andere ist Zeitverschwendung."
R. Reich ist Professor an der University of California und war Arbeitsminister unter Bill Clinton.

 

"Management Brevier: Ein Leitfaden für unternehmerischen Erfolg"

Campus Verlag, Frankfurt, 2007, ISBN: 978-3-593-38280-7.
Helmut Maucher, früherer Chef von Nestlé, hat in seinem neuen Buch auch das Thema "Unternehmer" und "Manager" thematisiert:
www.managementbuch.de

 

"Die Amerikanisierungsfalle. Kulturkampf in deutschen Unternehmen"

Econ, Berlin 2007, ISBN: 978-3-430-20007-3
Eine interessante Gegenüberstellung amerikanischer und deutscher Wertvorstellungen und Verhaltensweisen in der Gesellschaft allgemein und in Unternehmen im besonderen findet sich bei Ulrike Reisach.