DR. CHRISTIAN STADLER schreibt zur Planwirtschaft:

Es ist immer eine Freude, von erfahrenen Praktikern Einblicke in Abläufe großer Unternehmen gewinnen zu dürfen. Besonders groß ist die Freude, wenn dies in so ansprechender und eindringlicher Form stattfindet wie hier.

Ich denke, dass es zu der grundsätzlichen Kritik an verantwortungslosem Verhalten mancher Manager nichts hinzuzufügen gibt. Es ist überraschend, dass dies nicht öfter zur Sprache gebracht wird. Den Autoren jedenfalls herzlichen Dank.

Ich möchte noch ein paar Gedanken zum Thema Planung hinzufügen. Die Autoren plädieren für einen flexiblen Ansatz, der Unternehmertum fördert und umfassender Planung kritisch begegnet. In der Wissenschaft macht sich insbesondere die "Learning School" (z.B. Mintzberg 1994) ähnliche Gedanken, indem sie erklären, wie sinnlos es ist, Pläne zu schmieden, wenn es doch schlichtweg unmöglich ist, die Zukunft vorherzusagen. Dem halten ähnlich klingende Namen wie Ansoff (1979) oder Porter (1980) den Wert systematischer Evaluierung und rationaler Planung entgegen. Zunächst sollte wohl keiner der beiden Ansätze vorschnell verworfen werden.

Schließlich können beide Gruppen auf eine Ansammlung empirischer Untersuchungen verweisen, die den jeweiligen Standpunkt belegen. Der springende Punkt ist meiner Ansicht nach das Umfeld, in dem sich ein Unternehmen bewegt. Ist es ähnlich dynamisch und unvorhersehbar wie die Telekommunikationsbranche in den letzten Jahren, so ist wohl auf Mintzberg und Kollegen zurückzugreifen. Blicken wir jedoch in die 1970er und 80er Jahre zurück, so hätten wohl Porter und Ansoff in dieser Branche die Nase vorne. Ein Urteil, dass das Umfeld ähnlich dynamisch bleibt wie heute, wäre vorschnell (ich darf hier auf unsere Studie zu langlebigen Unternehmen verweisen http://www.enduringsuccess.com. Dennoch haben die Autoren Recht, dass ein Zuviel an Planung und insbesondere Planung als Instrument der Vorhersage den derzeitigen sozio-ökonomischen Bedingungen nicht entspricht. Eine Möglichkeit, mit diesem Thema umzugehen, ist das altbekannte "Szenarioplanning". Insbesondere Shell machte die Erfahrung, dass damit Mitarbeitern auf allen Ebenen die Möglichkeit geboten wird, unterschiedliche Varianten durchzudenken. Es geht nicht um Vorhersage, sondern um die Vorbereitung auf die "was wäre wenn" Situation.

Den Autoren nochmals vielen herzlichen Dank für ihre Anregungen. Ein toller Beitrag.

Dr. Christian Stadler

Innsbruck University School of Management