WERNER MÜHLBERGER schrieb zum Managerismus

Gedanken zur Broschüre Managerismus

Schon die Titelseite ist für viele studierte, analytisch, linkshirnig denkende Manager suspekt. Haben sie doch gerade gelernt, sich logisch, analytisch und mit Methode in ihre Positionen zu bringen und ihre Mitarbeiter durch Strategien, Pläne und sonstige Vorgaben zu steuern und auf Kurs zu halten. Endlich ist es gelungen, Daten und Fakten sprechen zu lassen, und nun kommen drei „Musketiere" und reklamieren ein distanziertes Verhältnis zu Menschen, Gemeinschaft und Werten. Noch schöner: Sie unterstellen deutschen Unternehmen pathologisches Verhalten. Die Frage ist, wem gegenüber verhalten sich Manager, um die es ja geht, krankhaft? Für sich selbst dienen die Planungen, Budgetierungen und sonstige Vorgaben zur Absicherung nach allen Seiten, da sie beweisen können, den Laden nach modernsten betriebswirtschaftlichen Methoden zu führen. Eventuelle Misserfolge können also nicht am Management liegen. Dieses hat sich in jedem Fall für eine anständige Dotierung qualifiziert, sodass in schlechteren Zeiten der Loyalitätsappell an Mitarbeiter auf Verzicht durchaus angebracht ist.

Nichts für ungut, aber es ist wichtig, dass erfahrene Praktiker, die sehr wohl zwischen vielleicht interessanter Theorie, Sinnhaftigkeit und dem Machbaren unterscheiden können, sich zu Wort melden und den Finger in die Wunde legen. Dass dann getroffene Hunde bellen, ist normal. Mit etwas gesundem Sach- und Menschenverstand ist der kranke Zustand der Wirtschaft und Politik leicht zu erkennen. Horrende Gewinne einiger fließen in die Tasche weniger und eine zunehmende Mehrheit bleibt auf der Strecke. Planungsbürokratie, Budgetierungswahn, Zwangsoptimismus, von oben angeordnet, helfen nicht weiter. Die Autoren Hoefle, Marquart und Schnopp haben nur ganz nüchtern einige Management-Methoden, die schon viel zu lange gelehrt werden, hinterfragt und ad absurdum geführt.

Wer nur in einmal gelernten Strukturen denken und handeln kann und dazu noch in feste Unternehmensstrukturen eingebunden ist, besitzt oft nicht den Durchblick und die Flexibilität, ein Unternehmen in turbulenten Zeiten sicher zu führen. Er geht, wie gesagt, auf Nummer Sicher und verlässt sich auf die Schulweisheit. Er fühlt sich auch von jedem anders Denkenden angegriffen und geht auf Verteidigung.

Jede Lehre oder Dogmatik hat Angst vor Neuerungen, denn das wäre das Ende ihres Nimbus der Unfehlbarkeit, mit der sie bisher „gut" gelebt hat. Daher: Wehret den Anfängen! Also lehnt es ab, diese kontroversen Beiträge der genannten Autoren in Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Diese Ablehnung darf Managerismus als Bestätigung für seine Existenz und Ermunterung zum Weitermachen sehen – haben die Herren doch den Nerv getroffen.

Es bleibt zu wünschen, dass immer mehr Manager erkennen, dass Menschen, Werte und Grundsätze langfristig erfolgreicher sind als operativer Aktionismus, der nur aus Angst, und leider auch Gier, resultiert. Es ist eine einfache Erkenntnis, dass jedes Geschäft nachhaltig nur mit vielen Gewinnern auf allen Seiten, und nicht mit wenigen einzelnen „Siegern" bestehen kann.

In diesem Sinne: „Glückauf" Managerismus, es gibt noch einiges zu tun!

Werner Mühlberger