Mir kam der Gedanke, dass die aktuelle Finanzkrise – genauer Bankenkrise – ebenfalls die These vom Managerismus bestätigt.

Die Verursacher dieser Krise sind Manageristen. Dieser Teil der Financial Community praktiziert gerade nicht Unternehmertum und gute Unternehmensführung.

Das eigentlich nützliche, "innovative" Konzept der Derivate wurde maßlos aufgeblasen und alle Beteiligten haben üppig daran verdient. Fast alle. Nur die Letzten in der Kette nicht mehr, die gerade engagiert waren, als die Blase platzte. Nein, das stimmt auch nicht ganz. Die Zeche bezahlen jetzt ja wieder andere: Der Staat, also die Bürger, und von denen natürlich nur die, die Steuern zahlen. bzw. von der Einschränkung staatlicher Leistungen betroffen sind. Dieser staatliche Engriff erscheint dennoch unvermeidlich, da andernfalls die realwirtschaftlichen Folgen weit gravierender wären und sogar unkalkulierbare Dominoeffekte drohen.

Wir haben es mit einer klassischen Problemlösung zu tun: Der Individualisierung der Gewinne und der Sozialisierung der Verluste.

Offensichtlich ist es wirklich so, dass die Incentivierung eine solche Krise, so ein Desaster, geradezu herbeiführt. Die Handelnden tragen de facto kein persönliches Risiko, da sie meist wirtschaftlich bereits längst unabhängig sind. Aber sie sind so kurzfristig incentiviert, dass das Platzen der Blase niemals in deren Boni mit eingehen kann, nicht in die ursprünglichen und nicht in die dann in der Krise auf niedriger Basis ausgelobten Incentives. Die entstandenen Kollateralschäden werden gleich ganz ausgeblendet.

Womit haben wir es zu tun? Eigentlich mit dem klassischen Principal-Agent-Problem – nur mit höherem Einsatz. Dass in diesem Falle dem "Agent" kurzfristige Gewinnmaximierung auch dann noch belohnt wird, wenn sogar der langfristige Bestand des Unternehmens (das ursprüngliche Kerninteresse des "Principal") aufs Spiel gesetzt wird, ist ein grober Systemfehler. Da das für hinreichend viele Marktteilnehmer zutrifft, ist das Gesamtsystem zwangsläufig instabil, Krisen sind vorbestimmt. Dies zeigt sich auch daran, wie die aktuelle Krise sehr viele Beteiligte auf mehreren unterschiedlichen Ebenen in ähnlicher Weise getroffen hat.

Eine solches System steht im Gegensatz zu den Idealen von Unternehmertum und guter Unternehmensführung, die ja gerade auf nachhaltigen Erfolg ausgerichtet sind. Konsequenzen und persönliches Risiko gibt es de facto nicht; von ethischen Prinzipien unternehmerischen Handelns kann keine Rede sein. Dadurch wird nicht zuletzt das bestehende Wirtschaftssystem geschwächt, was dann wiederum auch und gerade die nachhaltig handelnden Unternehmer betrifft.

Also lassen sich eigentlich alle Kategorien Ihrer Definition von Managerismus als zutreffend abhaken.

In der Zwischenzeit wird das sogar in der der Financial Community wohl gewogenen "Financial Times" entsprechend kommentiert: Siehe die lesenswerten Beiträge des Financial Times Kolumnisten Martin Wolf u.a. vom 15. Januar 2008 ("Regulators should intervene in bankers' pay") und vom 5. Februar 2008 ("Why it is so hard to keep the financial sector caged") mit Verweisen auf weitere ähnlich gerichtete Stellungnahmen.

Bernd Hilmer