Dr. Oliver Prause* zum Outsourcing:

Die Denkschrift zum Thema „Outsourcing – Wozu?" gibt nicht nur zum Denken, sondern weist auch auf die faulen Stellen in unserem Wirtschaftsleben hin. Die Schrift dokumentiert auf sehr eindringliche Weise die wesentlichen Entwicklungen bei Standortverlagerungen von deutschen Unternehmen ins Ausland. Zwei Feststellungen sind hier essentiell: Die überragende Bedeutung der Verlagerung aus Kostengründen und die unzureichenden Anstrengungen bei der Optimierung des bestehenden Standorts.

Obwohl zwischenzeitlich mehrere Studien [1] nachgewiesen haben, dass Verlagerungen aus Kostengründen ein hohes Risiko beinhalten, übt der Faktorkostenvergleich weiterhin eine unwiderstehliche Anziehungskraft beim Management aus. Hier besteht aber schlichtweg ein Mangel an einer durchgängigen und seriösen Gesamtkostenkalkulation. Während die Herstellkosten sehr detailliert ermittelt werden können, unterliegen Anlauf-, Koordinations-, Transfer-, Reise- und Ertüchtigungskosten bei einer Standortverlagerung einer groben Schätzung, deren Höhe meist auch noch hemmungslos unterschätzt wird. Hierdurch werden Kostenvorteile suggeriert, die in der Realität nicht zu halten sind. Viele Rückverlagerer haben gezeigt, dass es auch im Ausland keine Einbahnstraße zum wirtschaftlichen Erfolg gibt.

Viele Veröffentlichungen [2] haben ebenfalls nachgewiesen, dass noch erhebliche Verbesserungspotenziale in den hiesigen Unternehmen schlummern. Hier werden die Management-Hausaufgaben nicht gemacht! Es ist demnach folgerichtig, dass versäumte Innovationen und unterlassene Prozessoptimierungen die Ursachen für Entlassungen und Verlagerungen darstellen. Am neuen Auslandsstandort sind die transferierten Prozesse meistens auch schlecht, dafür aber billiger. Die Abkehr von einer kurzatmigen, quartalsgetriebenen Entscheidungshektik des Managements und die Hinwendung zu einer nachhaltigen, gesamtwirtschaftlichen Führungsverantwortung tut hier Not.

Darüber hinaus sind natürlich auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern. Zwei wesentliche Gesichtspunkte der Denkschrift sind hier hervorzuheben – Arbeitszeitflexibilisierung und Lohnkostenentwicklung. Hier werden insbesondere die Arbeitnehmervertretungen aufgerufen, eine deutlich aktivere Rolle einzunehmen, um die Standortbedingungen für Unternehmen zu verbessern.

 

 

 

* Vorstandsvorsitzender des Institut für Produktionserhaltung www.infpro.de

[1] FhG – Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung: Studie: Produktionsverlagerung und Auslandsproduktion im deutschen verarbeitenden Gewerbe, 2004.
PA Consulting, VDI: Studie: Königsweg ins Ausland? Erfolgsfaktoren für Produktionsverlagerungen, 2004.
Lewin, et al: Offshoring Work: Business hype or the onset of fundamental transformation, 2006.

[2] FhG – Institut für Produktionstechnologie: Produktionsstudie 2004: Ist der Produktionsstandort Deutschland noch zu retten?
Wildemann,Baumgärtner: Planungsinstrumente für ein gateway-basiertes Standortcontrolling, 2006.
Abele,Eberhard, et al: Handbuch globale Produktion, 2006.
Dostert: Die kleinen Fabriken des Herrn Soder, Süddeutsche Zeitung, 24.04.08