Professor Dr. B. Eidenmüller schreibt zu Managerismus und Outsourcing:

...mit Interesse lese ich im Internet Ihre Veröffentlichungen über Managerismus sowie Ihre Broschüren zu den sachbezogenen Themen, und ich finde es gut, dass Sie mit Ihren Kollegen diese für unsere Gesellschaft so wichtigen Themen aufgegriffen und Ihre Meinung so deutlich geäußert haben. Möge Ihre Initiative von vielen wirtschaftlich interessierten Bürgern sowie von Verbänden voll unterstützt werden.

Es ist nicht nur das Fehlverhalten einzelner Manager, das heute angeprangert wird und die ganze „Zunft" in Misskredit bringt, es sind auch die Fehler von Führungskräften, die unserer Wirtschaft schaden und über die viel zu wenig berichtet werden. Zu den Beispielen von Managerismus, die Sie zitieren, möchte ich noch etwas detaillierter auf Siemens eingehen. So ist es z. B. bedauerlich, dass sich die Medien seit Monaten nur mit dem Korruptionsskandal bei Siemens beschäftigen, als wären diese Informationen für die Menschen in unserem Land die wichtigsten Nachrichten. Einem gravierenden Thema, nämlich der stückweisen Verabschiedung des traditionsreichen Unternehmens Siemens von der Elektrotechnik - hervorgerufen durch Managementfehler - wird dagegen wenig Beachtung geschenkt. Damit soll das Fehlverhalten von Siemens Managern nicht bagatellisiert werden. Die Verfehlungen müssen aufgeklärt und die Konsequenzen gezogen werden. Wichtiger wäre es aber wohl darauf hinzuweisen, was die Aufgabe von Schlüsseltechnologien, und dazu gehört die Informations- und Kommunikationstechnik, für den Wirtschaftsstandort Deutschland und für unsere Arbeitsplätze bedeutet...

...in der Zeitung „Die Welt" vom 7. Juni 2008 wird darüber berichtet, dass neun von zehn Arbeitnehmern in Deutschland unzufrieden mit ihrem Job sind. Sie arbeiten nur das Nötigste. Jeder fünfte hat bereits innerlich gekündigt. Die Gründe ind heute zum großen Teil im Führungsverhalten von Managern zu sehen. Deutsche Unternehmen waren früher stolz auf ihre Unternehmenskultur und pflegten sie – wie es heute vor allem noch von Eigentümern geführte Unternehmen tun. In dem Vortrag 1989 „Vom Aschenhaufen zum Weltunternehmen – Das Haus Siemens in und nach dem Zweiten Weltkrieg" beendete Gerd Tacke, der ehemalige Vorsitzende des Vorstands der Siemens AG, seine Ausführungen mit den Worten: „Vergessen wir nicht, dass es Menschen waren, die das Wunder vom Aschenhaufen zum Weltunternehmen letztlich bewirkt haben – nicht Umstände, Beschlüsse oder Glücksfälle. Und das wird auch für die kommende Periode so bleiben." Diese Aussage wurde allerdings im vergangenen Jahrhundert getroffen!

Sie weisen in Ihrer Broschüre „Outsourcing – Wozu" darauf hin, dass viele Gründe für Verlagerungsfälle in den verspäteten Anstrengungen zur Produktivitätssteigerung im Inland liegen und als rascher Ausweg nur die Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer gesehen wird. Das Verlagern aus Kostengründen setzen Sie in eine unmittelbare Beziehung zu Denk- und Handlungsweisen, die Sie mit Managerismus beschreiben: Einseitiges Kostendenken, Kurzsichtigkeit, kollektives Verhalten, Scheinrationalität, mangelnde Bindungsfähigkeit. Möge Ihre Broschüre, die – wie auch Ihre Streitschrift „Planwirtschaft" – nicht nur die Situation in der deutschen Wirtschaft diagnostiziert, auf gute Beispiele in der Industrie hinweist und vor allem auch neue Denkanstöße und Therapievorschläge vermittelt, eine große Verbreitung erfahren und von vielen Studenten der Ingenieurwissenschaften und der Betriebswirtschaftslehre, den zukünftigen Führungskräften, gelesen und befolgt werden.