Herwig Heckl schrieb zum Denkzettel Nr. 11:

Die Rolle von Innovation, Vertrauen und Identifizierung mit Unternehmen sind im Denkzettel 11 ausgezeichnet beschrieben. Es ist in der Tat erschreckend, wie wenig Produkt-Innovation inzwischen in den großen Unternehmen stattfindet. Auf der anderen Seite wird auf Aktionärsversammlungen und bei Pressekonferenzen über Innovation unablässig geredet.

Die ertragsrelevanten Produkte und Lösungen sind meist zugekauft oder sie werden unter dem Vorwand der Optimierung der Wertschöpfungskette bei Subunternehmern in Auftrag gegeben. Und viele Fertigungs-De-Lokalisationen enden in der Sackgasse, weil die Weiterentwicklung von Produkten in einer ausschließlich personalkostenorientierten Umgebung und fern der strategischen Zentrale nur ungenügend erfolgen kann.
Die Stärken komplexer Verbundunternehmen, die auf dem Zusammenwirken von verantwortungsvollen,  mitdenkenden Individuen und auf der gezielten Kombination von Spitzentechnologien basierte, wurden im Zuge von Klein-Klein-Kostenkontrollprogrammen immer mehr außer Kraft gesetzt. Genialität, Solidarität mit dem Unternehmen und  Gesetzestreue der Mitarbeiter lassen sich aber durch bürokratische Kontrollverfahren nicht am Leben erhalten. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Finanzkrise hat die geistige Verwandtschaft der „Asset-Manager“ in den Unternehmen, die der „Finanz-Jongleure“  in den Banken mit den geldorientierten „Pseudo-Strategen“ in der Beraterbranche aufgedeckt.
Statt sich wieder an alten soliden Kaufmanns- und Unternehmertugenden zu  auszurichten, verbeißen sich viele Beratungsgesellschaften  und Großunternehmen in der ausschließlichen und kurzfristigen Gewinnorientierung. Die Bekenntnisse zu Innovation und zur pfleglichen Behandlung der „Human Resources“ sind weiterhin nur aufgesetztes Marketing- und PR-Gerede.

Erstaunlich ist, dass große ostasiatischen Elektronik-Konzerne – man denke nur an Samsung - den ursprünglich auch in Europa gepflegten Ansatz, Mikroelektronik und Fertigungsautomatisierung konzernintern auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln und die innovationsrelevante Produktion im Lande zu behalten, seit vierzig Jahren durchgehalten haben. Jetzt sind sie zunehmend Innovationstreiber, und erhalten ihre Gewinne über eine große Marktakzeptanz.  Bei  innovationsbedingten Problemen haben sie nicht den einfachen, aber fatalen  Weg des Verkaufens und Verschenkens der Informationstechnik- und Kommunikationssparte gewählt, wie das  in europäischen Elektronik-Konzernen der Fall war. Wo waren die Manager, die in Europa / Deutschland  die Mikroelektronik-Kompetenz und die Kommunikationstechnik hochgehalten und kraftvoll verteidigt haben?