Dr. Ing. Peter H. Grassmann - Senator eh. ergänzt Einsichten Nr. 5 (Der Ehrbare Kaufmann):

"Der ehrbare Kaufmann" - eine altmodisch wirkende Formulierung, und doch so aktuell. Denn diese Aktualität strahlt die Sehnsucht nach einer Sozialkompetenz aus, die wir im neoliberalen Kapitalismus vermissen. Da lohnt es sich, daran zu erinnern, dass dieser Ehrbegriff die Entwicklung freier Märkte von Anfang an begleitet hat, schon lange vor den „Moral Sentiments" von Adam Smith. Und es lohnt sich zu erinnern, dass dieser Charakterzug nicht selbstlos als Gutmensch entstand, sondern dass hinter ihm die Leitlinien einer Zunftordnung standen, eines Ehrenkodex, der speziell auf die jeweilige Zunft zugeschnitten war.

Mit der Zusammenfassung aller Rechtsanforderungen der Wirtschaft im Bürgerlichen Gesetzbuch ging die Bedeutung solcher Zunftordnungen zurück, um nun in einer gern anonymen, global vernetzten Wirtschaft wieder aktuell zu werden. Branchenspezifisch das Leitbild ehrbaren Handelns zu definieren, ist das Gebot einer Zeit, die die Welt nun schon mehrfach mit in mangelnder Ethik begründeten Krisen beglückt hat. Freiwilliges Bekenntnis ist der Anfang. Dazu gehört aber auch die Aufforderung an den Gesetzgeber, sich zu erinnern, dass der ehrbare Kaufmann eine Tradition der Berufs- und Wirtschaftskammern ist, die längst nach präziserer Definition und nach einem Pflichten und Sanktionen definierenden Rahmengesetz ruft. Die Wirtschaftskammern wurden Körperschaften des öffentlichen Rechts, damit sie Teile der Ordnungsfunktion des Staates übernehmen können. Diesen Auftrag gilt es zu erfüllen und das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns mit aktuellem Inhalt zu erfüllen, dessen Befolgung zum Stolz berechtigt, ein wertvolles und respektiertes Mitglied unserer Gesellschaft zu sein"