Thomas Ruhnke, Vorstand Schweizerisch-deutscher Wirtschaftsclub München nimmt Bezug zum ehrbaren Kaufmann (Einsichten Nr. 5) und freut sich insbesondere über einen entsprechenden Beitrag von Siemens-Chef Peter Löscher:

„Ich lese wieder mit mehr Freude Meinungsbeiträge wichtiger Wirtschaftsführer. Spiegelt sich doch dort, so mein Eindruck, in der letzten Zeit ein deutliches Umdenken wider. Shareholdert-Value-Denken, wie es noch Ex-GE-Ikone Jack Welch propagierte, wird zunehmend durch Gedanken zu nachhaltigem wirtschaftlichen Handeln abgelöst. Ja, man ist fast schon geneigt, von einer Renaissance der Ethik in der Wirtschaft zu sprechen.

Jüngstes Beispiel: ein bemerkenswerter Beitrag von Siemens-Chef Peter Löscher mit dem Titel „Wir schaffen Werte" im Magazin Focus. Der durchgehende Tenor des Artikels: Kurzfristiges Profit-Denken ist out. Es lebe die Rückbesinnung auf nachhaltiges Denken und Handeln!

Ein Gebot der Zeit! – man denke nur an die Endlichkeit der Ressourcen, die sich abzeichnenden Umweltprobleme, die zunehmende Industrialisierung in den aufstrebenden Märkten oder das Wachstum der Weltbevölkerung insgesamt. Löscher weist in seinem Beitrag auf den Wert leistungsfähiger „handfester" Industrien hin, die noch vor Kurzem – im Schatten der dominierenden, boomenden Finanzindustrie mit all ihren Auswüchsen – als überholt und eher geringschätzig betrachtet wurden. Im Gefolge dieses Denkwandels ist auch das bereits in der Schublade der Wirtschaftsgeschichte gelandete Leitbild des ehrbaren Kaufmanns wieder revitalisiert worden. Der ehrbare Kaufmann mit all seinen assoziierten Eigenschaften wie Solidität, Ehrlichkeit, Berechenbarkeit und Nachhaltigkeit. Löscher sieht auch die Verantwortung des ehrbaren Kaufmanns nicht am Werktor enden. Schön, so meine ich, dass der Mitarbeiter nicht mehr nur in den Hochglanzbroschüren der Firmen im Mittelpunkt stehen soll, sondern auch in der Realität.

Nicht zuletzt unterstreicht Löscher die große Bedeutung von Bildung und Ausbildung, für die sich die Unternehmen stärker engagieren sollten. Es geht Löscher dabei um mehr als eine verbesserte fachliche Ausbildung, sondern vielmehr auch um die Vermittlung von Werten und die Befähigung zu wertebasiertem Handeln. Ein Aspekt, den ich nur unterstreichen kann. Hier meine ich, sollte man nicht nur an die berufliche Aus- und Weiterbildung denken, sondern ergänzend schon im schulischen Bereich die Basis für ein ethisches Koordinatensystem zu legen beginnen."