Klaus Lueneburger, Managementpraktiker und Kenner der amerikanischen und deutschen Unternehmenskultur schreibt zu Denkzettel Nr. 22 (Die fragwürdige Glorifizierung amerikanischer Managementkultur):

 

Vor sieben Jahren erfand Manfred Hoefle das etwas sperrige, doch inzwischen allseits bekannte Wort Managerismus. Hoefles zahlreiche Schriften zu diesem Thema analysieren präzise und knapp Fehlentwicklungen unserer Zeit. Verantwortliche in Politik und Wirtschaft wären gut beraten, wenn sie aus diesen Schriften Schlüsse für ihr Wirken zögen. In Denkschrift 22 zeigt Hoefle, was die Hinwendung zum Shareholder Value uns eingebrockt hat. Dieser Ansatz wurde von Deutschlands Großunternehmen hemmungslos kopiert und dabei übersehen, dass dadurch Anteilseigner zu Unternehmenslenkern wurden. Was haben wir dabei von amerikanischen Unternehmen gelernt:

• Ein produzierendes Unternehmen kann am besten von Managern ohne technisches Wissen geleitet werden.
• Innerbetriebliche Ausbildung ist unnötig.
• Gefertigt wird, wo die Lohnkosten minimal sind.
• Um hohe Gewinne zu erzielen, eignen sich virtuelle und Finanzgeschäfte am besten.

So bedauerlich die Zustandsbeschreibung auch ist, so enthält sie doch wichtige Lehren für Entscheider in Wirtschaft und Politik. Um nur drei zu nennen:

• Das Feedback Fertigung – Entwicklung ist einer der ausschlaggebenden Faktoren für den Unternehmenserfolg. Viel zu oft ist es amerikanischen und europäischen Unternehmen passiert, daß ihre innovativen Produkte an den „Mühen der Ebene" Fertigungsverfahren, Qualität und innovative Weiterentwicklung scheiterten.

• Die industrielle Wertschöpfung ist durch virtuelle und finanzielle „Produkte" nicht zu ersetzen. Zwar kann die Schaffung von Arbeitsplätzen kaum als Unternehmensziel dienen – dennoch ist die industrielle Wertschöpfung der einzige Ausweg aus den Hauptproblemen unserer Zeit, nicht zuletzt, da mit ihr mehr Arbeitsplätze geschaffen werden.

• Industrielle Wertschöpfung braucht wissenschaftlich und technisch ausgebildete Absolventen sowie Fachleute, die in den Unternehmen ausgebildet wurden. Managementspezialisten ohne auf die Produkte bezogenes Fachwissen werden die Standorte in Europa und Übersee nicht reanimieren. Dazu muß die Attraktivität technischer Berufe wiedererstehen.

Doch vergessen wir nicht: abseits von Shareholder Value & Co gibt es Dinge, die wir durchaus von den USA übernehmen sollten. Ich denke an den ungebrochenen Unternehmensgeist der Amerikaner und ihre positive Grundeinstellung, die ihnen immer wieder den Weg aus vielfältigen Miseren gewiesen hat. Es sei erinnert an den Aufschrei, der dem Erscheinen des Buches „The machine that changed the world" folgte. Und abschließend: wer in Deutschland seinen Arbeitsplatz verliert, ist stigmatisiert, besonders, wenn er älter als 50 ist. In den USA scheut sich kein Arbeitgeber, ältere und somit erfahrene Leute, selbst wenn sie nur noch fünf Jahre bis zum Rentenalter haben, einzustellen.

Klaus Lueneburger