Bernhard Oswald schreibt zu Denkzettel Nr. 17 ("Die deutsche Energiepolitik auf Hochrisikokurs"):

 

1. Die Kosten der Energiewende werden inzwischen von Minister Altmaier auf 1 Billion € geschätzt.

2. Unter der Überschrift „Landschaftszerstörung" wurde die Zahl der Windräder, die ein Kernkraftwerk ersetzen könnte, von Sorg viel zu niedrig angegeben. Wenn man z.B. das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld durch derzeit vorhandene Windgeneratoren der oberen Leistungsklasse (2,4 MW) ersetzen wollte, bräuchte man statt 200-300 vielmehr ca. 2000 Windgeneratoren im Inland. Die Zahl der jährlichen Volllaststunden bei Windrädern liegt zwischen 1500 und maximal 3500 h/a während Kohle-und Kernkraftwerke deutlich über 5000 h/a liegen. Die Zahl der Volllaststunden ist ein Kriterium für die Effizienz einer Anlage.

3. Die „Landschaftszerstörung" wird derzeit von den Ländern und Kommunen durch eine „Umwidmung" von bisherigen Natur- und Landschaftschutzgebieten mit dem Ziel vorangetrieben, Windgeneratoren auch auf den Höhen der Mittelgebirge (z.B. Odenwald und Spessart) installieren zu können. Dazu werden Hunderte von Hektar Wald gerodet. (U.a. hat sich Ministerpräsident Kretschmann von Baden Württemberg ausdrücklich auch für die Installation von Windgeneratoren in bisherigen Naturschutzgebieten ausgesprochen).

4. Die angebliche dezentrale Stromversorgung wird derzeit durch die Forderung nach einem beschleunigten Ausbau der Stromtrassen von Nord nach Süd (Trittin) konterkariert. Denn eine dezentrale Energieversorgung benötigt grundsätzlich keine neuen Stromtrassen. Die jetzt geforderten Stromtrassen sind allerdings nötig, um eine Versorgungssicherheit auch in einem „smart grid" zu gewährleisten.

5. Die Fragwürdigkeit der Energiewende kann am Beispiel Bayerns verdeutlicht werden. Bayern war in der Vergangenheit und ist heute noch sehr stark von der Kernenergie abhängig. Nach Abschaltung der Kernkraftwerke sieht der veröffentlichte Energie-Wende-Plan Bayerns eine Energie-Versorgung durch Photovoltaik, Wind, Biomasse und Wasser vor. Abgesehen davon, dass die billige Energie der Kernkraftwerke durch eine teure ersetzt werden soll, bleibt nach dem vorgesehenen Plan ein Defizit von 20 -30 TWh, von dem man offenbar noch nicht weiß, wie es gedeckt werden soll. Entweder muss man sich auf Stromimporte einrichten, oder möglichst schnell neue fossile Kraftwerke bauen. Es ist abzusehen, dass aus einem ehedem Energie-reichen Land ein Energie-armes Land wird , mit allen Konsequenzen.

6. Kraftwerke, die ursprünglich für eine Deckung der Grundlast im Dauerbetrieb konzipiert waren, arbeiten nach den Bestimmungen des EEG nur noch nach Bedarf, d.h. als Schattenkraftwerke im Kurzzeitbetrieb und sind deshalb entsprechend unrentabel. Als Folge davon soll beispielsweise das Gaskraftwerk Irsching in Bayern aus Gründen der Rentabilität wieder stillgelegt werden.

7. Nach neuesten Meldungen steigt der CO2 Ausstoß in Deutschland wieder an, was u.a. sicherlich auf die bereits vorgenommene Abschaltung von Kernkraftwerken und die Inbetriebnahme neuer fossiler Kraftwerke zurückgeführt werden kann.

8. Als Beispiel für die Schieflage der staatlichen Förderpolitik kann das nicht geförderte Einsparpotenzial bei Elektromotoren genannt werden. Elektromotoren verbrauchen in einer Industrienation wie Deutschland mehr als 30 % der erzeugten elektrischen Energie (sie sind damit auch Grundlage unserer Produktivität und unseres Wohlstands). In einer Studie der EU Kommission von 1993 und einer folgenden Studie des ZVEI von 2003 wurde nachgewiesen, dass sich z.B. mit drehzahlveränderbaren Motoren Energieeinsparungen von mehreren Prozent der gesamten erzeugten Energie realisieren lassen. Hierfür gibt es allerdings keine staatliche Förderung. Die Substitution von Drehzahl-konstanten durch Drehzahl-veränderbare Elektromotoren findet stattdessen im Rahmen der wettbewerbsorientierten Marktwirtschaft, d.h. auch ohne staatliche Förderung statt.

9. Die Produktivität unserer Wirtschaft ist die Grundlage für unseren Wohlstand und für unsere modernen und sicheren Arbeitsplätze. Unsere Produktivität hängt aber direkt von einer Energie ab, die nachhaltig bezahlbar bleibt. Dies ist durch eine übereilte und überzogene Energiewende nicht mehr gewährleistet.