Dr. Johannes Rauter präsentiert seine Meinung zu den vorgeschlagenen Therapien in Denkzettel Nr. 24 (Zeitenwende bei Siemens):

Zu Punkt 1: Verlust der Ingenieurstradition?

Siemens hat, behaupte ich, gemessen an den unglaublichen Mitteln, die in F&E gesteckt wurden und werden, verglichen mit dem Mittelstand nur sehr mäßiges erreicht, nach meiner Wahrnehmung. Und Marketing war nicht eine Stärke. A propos: Wo ist denn der präsidial geadelte Biochip eigentlich hin verschwunden?

Den Schreibern stimme ich „gefühlt" zu: Siemens scheint zu komplex und wohl noch immer zu zentral gesteuert in der heutigen Gestalt, also nicht „fit" genug im darwinschen Sinne. Nur: Die Denke in „Haus Siemens" ist das wirklich das zukunftssichere Paradigma? So viel Nostalgie, hilft sie wirklich?

Zu Punkt 2: Fremdbestimmtheit durch den Kapitalmarkt?

Hier hätten die Schreiber viel deutlicher werden müssen, warum diese Zurückhaltung? „Das Sein bestimmt das Bewusstsein" (Marx) und „die Wahrheit in den Tatsachen suchen!" (Deng XiaoPing – die Marxisten waren halt doch die besseren Analytiker).

Wer 15 oder 20% Rendite auf ein – wie immer berechnetes Kapital fordert - der würgt die Innovation (=Vorleistung) und die Menschlichkeit gleich gemeinsam ab. Das ist das alles bestimmende Phänomen. Wozu auf die Manager schimpfen: Es sind die Verwalter riesiger Vermögen, die als graue Eminenzen, auch „Markt" oder „die Investoren" ehrfürchtig genannt, bestimmen und eine Politik verfolgen, die sich gegen Langfristigkeit und auf 15% + richtet. Hier fehlt ein neuer „Contrat Social", ein neues Ausbalancieren der Interessen aller Beteiligten am Wirtschaftsprozess, ja am sozialen Leben überhaupt. Aber diese grauen Eminenzen finden sich ja nicht in Talk-Shows um sich zu rechtfertigen.

Und keine Wirtschaftspresse – auch keine SZ - macht sich's zum Thema.

 

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