Ikone der Korrektheit und Professionalität tief gefallen: Ex-Chef Gupta und weitere McKinsey-Leute angeklagt

Die SEC klagt gegen Rajat Gupta (1948), als Aufsichtsrat von Goldman Sachs und Procter & Gamble wiederholt Insiderwissen an einen Hedge-Fonds weiter gegeben zu haben. Dieser Fall ist einzigartig, bizarr. Im Zentrum steht die langjährige Nr. 1 des weltweit bekanntesten Beratungsunternehmens.

McKinsey, „The Firm", rühmt sich allseits und allerorten seiner Tradition höchster Integrität, absoluter Verschwiegenheit und höchster professioneller Standards. Die Chefs gaben sich immer als Ausbund und Vorbild an Integrität. Und McKinsey wurde darum auch zur bestvernetzten Firma in einer Reihe von Ländern: In Deutschland (McKinsey-fizierung, McKinsey-fizierung der Republik) wird seit mehr als 20 Jahren von Prof. H. Henzler ein „Old-Boy-Network, die „Similauner", von Ex-DAX-Konzern-Chefs (darunter J. Schrempp, K. Zumwinkel, Neuzugang K. Kleinfeld - Alcoa, H. Hainer - Adidas) gepflegt; daneben gab es eine auffällig unauffällige Verbindung zu Goldman Sachs, in der Person von A. Dibelius, einem früheren Partner von McKinsey. Das Beziehungsgeflecht in der Schweiz erreichte um die Jahrtausendwende ein noch größeres Ausmaß. In den USA konzentrierte sich das Netzwerk auf den Finanzbereich.

Gupta, ein Harvard Business Absolvent (1973), ist „well connected": als Board-Mitglied noch bei American Airlines und Harman International , als Chairman von Advisory Boards/Councils von Business Schools (Wharton, Kellogg, MIT, Harvard, Indian School of Business, Tsinghua University, IIT); zuletzt erhielt er den Chair der International Chamber of Commerce, der weltweit größten Business Lobby; er war engagiert als persönlicher Berater des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, ist in mehreren Stiftungen (Rockefeller, Gates, American-India) aktiv und fungiert als Chef des Global Fund to Fight AIDS, Tubercolosis and Malaria und ist als Berater bei der Harvard School of Public Health und dem Cornell Medical College involviert.

Während seiner fast 10-jährigen Rolle als Managing Director von McKinsey Inc. (worldwide) lancierte er eine überaus expansive, extrem renditeorientierte Geschäftspolitik und trieb unentwegt die Globalisierung voran. Es gelang ihm, McKinsey als intimen, langjährigen Berater von Enron aus deren Untergang herauszuhalten.

Die bittere Konklusion aus diesem Fall:
Das Vertrauen in diejenigen, die die angesehensten und größten Banken und Unternehmen der Welt beraten und beaufsichtigen ist „on the top" aufs Gröbste beschädigt worden. Dass es weitere ‑ unentdeckte ‑ Fälle dieses Genres gab und gibt, darf vermutetet werden. Wie soll Gutes wachsen, Besseres nachkommen, wenn es an Vorbildern gebricht? Branding, PR und Compliance genügen eben nicht. Der Schein hat getrogen!

 

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